Sicherungsgerät für Anfänger: Tube, Autotube oder Grigri?
Kurz gesagt: Ein Sicherungsgerät namens „Rifle“ gibt es bei Petzl nicht. Die echte Wahl für Einsteiger heißt: klassischer Tube, Autotube wie der Edelrid Jul² oder Halbautomat mit Klemmmechanik wie das Petzl Grigri. Für die Kletterhalle empfiehlt der DAV Halbautomaten, dazu zählen Autotubes und das Grigri. Unsere Empfehlung: Starte mit einem Jul² oder einem Grigri, und zwar mit dem Gerät, mit dem du in deinem Sicherungskurs lernst.
Grigri oder „Rifle“: Was steckt hinter der Frage?
Im aktuellen Sortiment von Petzl gibt es kein Gerät mit dem Namen „Rifle“. Laut der Petzl-Übersicht zu Sicherungsgeräten bietet Petzl zwei Familien an:
- Geräte mit Klemmmechanik (Nocke): GRIGRI, GRIGRI+ und NEOX
- Dynamische Geräte ohne Blockierunterstützung: REVERSO und VERSO
Die eigentliche Frage lautet also: Welcher Gerätetyp passt zu dir? Davon gibt es drei.
Die drei Gerätetypen im Überblick
Tube: dynamisch, ohne Blockierunterstützung
Ein Tube wie der Black Diamond ATC oder der Petzl Verso bremst nur über die Reibung, die deine Bremshand erzeugt. Lässt die Bremshand los, hält nichts das Seil. Tubes sind leicht und günstig, und du kannst mit ihnen an zwei Seilsträngen abseilen. Der DAV nennt HMS und Tube die Standardgeräte für Mehrseillängen. Dort müssen sie aber „intensiv geschult und trainiert werden“.
Autotube: Tube-Form mit Bremsunterstützung
Autotubes wie der Edelrid Jul², der Mammut Smart 2.0 oder der Climbing Technology Click Up+ bedienst du ähnlich wie einen Tube. Bei einem Sturz klemmen sie das Seil zusätzlich gegen den Karabiner. Die DAV-Sicherheitsforschung zählt sie zu den Halbautomaten, „deren Funktion von der Bremshandposition abhängt“. Die Blockierunterstützung wirkt also nur, wenn du die Bremshand richtig führst. Der DAV rät außerdem, Autotubes als Set mit dem passenden Karabiner zu kaufen, damit keine ungünstige Kombination entsteht.
Der Jul² ist laut Edelrid nach EN 15151-2 zertifiziert und für Einfachseile von 8,9 bis 11,0 mm zugelassen. Edelrid beschreibt ihn als Gerät mit hoher Bremswirkung, das die sichernde Person bei Vorstiegsstürzen unterstützt. Er ist also kein einfacher Tube ohne Bremsunterstützung.
Halbautomat mit Klemmmechanik (Grigri-Typ)
Beim Petzl Grigri klemmt eine Nocke im Gerät das Seil, sobald es ruckartig durchläuft. Diese Funktion hängt laut DAV nicht von der Bremshandposition ab. Petzl gibt 175 g und Einfachseile von 8,5 bis 11 mm an (optimal 8,9 bis 10,5 mm), zertifiziert nach EN 15151-1. Abgelassen wird über einen Hebel. Seilausgeben und Ablassen funktionieren anders als beim Tube und müssen eigens geübt werden.
Wichtig: Auch mit einem Halbautomaten bleibt die Bremshand immer am Bremsseil. Keines dieser Geräte nimmt dir das aufmerksame Sichern ab.
Vergleich: Tube, Autotube und Grigri
| Gerät | Typ | Seildurchmesser (Hersteller) | Gewicht (Hersteller) | Preis ca. | Gut für |
|---|---|---|---|---|---|
| Black Diamond ATC | Tube, dynamisch | 7,7–11 mm | 60 g | – | Mehrseillängen, nach Ausbildung |
| Edelrid Jul² | Autotube | 8,9–11,0 mm | – | 35–40 € | Halle und Klettergarten, kleines Budget |
| Mammut Smart 2.0 | Autotube | 8,7–10,5 mm | 80 g | – | Halle und Klettergarten |
| Climbing Technology Click Up+ | Autotube | 8,5–11 mm | 110 g | – | Halle und Klettergarten |
| Petzl Grigri | Halbautomat mit Klemmmechanik | 8,5–11 mm (optimal 8,9–10,5) | 175 g | 75–95 € | Halle, Klettergarten, viel Toprope und Projektieren |
Die Preise stammen aus aktuellen Händlerangeboten und schwanken. Ein Strich bedeutet: Dazu haben wir keine verlässliche Herstellerangabe oder keinen aktuellen Preis gefunden.
Was empfiehlt der DAV für Einsteiger in der Halle?
Der Deutsche Alpenverein empfiehlt Halbautomaten für das Sichern beim Sportklettern in Kletterhallen und Klettergärten. Als Halbautomat gilt jedes Gerät mit Blockierunterstützung, also Autotubes wie der Jul² und Geräte mit Klemmmechanik wie das Grigri. Der Sicherheitsvorteil gilt laut DAV „insbesondere für Kletterneulinge“. Er gilt außerdem für leichtere Sichernde, für Menschen mit wenig Erfahrung im Halten von Stürzen und für Situationen mit viel Ablenkung, wie in einer vollen Halle.
Ein klassischer Tube ist deshalb für deine ersten Monate in der Halle nicht die erste Wahl. Er wird interessant, sobald du Mehrseillängen kletterst.
Auswahlkriterien: Welches Gerät passt zu dir?
Was nutzt dein Kurs?
Lerne mit dem Gerätetyp, den dein Sicherungskurs verwendet, und bleib anfangs dabei. Wer zwischen Autotube und Grigri hin und her wechselt, verwechselt unter Stress leicht die Handgriffe, vor allem beim Seilausgeben und beim Ablassen.
Passt das Gerät zu deinem Seil?
Jedes Gerät ist nur für einen bestimmten Seildurchmesser zugelassen. Prüfe die Angabe auf dem Seil und im Datenblatt des Geräts. Liegt dein Seil außerhalb dieses Bereichs, ist die Bremswirkung nicht gewährleistet. Was sonst noch in die Grundausstattung gehört, steht in unserem Ratgeber Kletterausrüstung für Anfänger.
Budget und Einsatz
- Kleines Budget, Halle und Klettergarten: Ein Autotube wie der Jul² kostet etwa halb so viel wie ein Grigri und bietet trotzdem Blockierunterstützung. Beim Preis-Leistungs-Verhältnis ist er unser Tipp.
- Viel Toprope, langes Projektieren, häufiges Ablassen: Hier hat das Grigri Vorteile, weil die Nocke unabhängig von der Bremshandposition blockiert. Die Bremshand bleibt trotzdem am Seil.
- Später Mehrseillängen: Dafür kommt ein Tube dazu, etwa ein Petzl Reverso, mit dem du auch Nachsteigende sichern kannst. Das lernst du in einem eigenen Kurs.
Weitere Modelle findest du in unserer Kategorie Sicherungsgeräte.
Wichtiger als das Gerät: Kurs und Partnercheck
Kein Gerät gleicht fehlende Ausbildung aus. Laut DAV setzt der korrekte Umgang mit jedem Sicherungsgerät „eine qualifizierte Ausbildung und viel Übung“ voraus. Bevor du kaufst, solltest du deshalb:
- Einen Sicherungskurs besuchen: Viele Kletterhallen und DAV-Sektionen bieten Toprope- und Vorstiegskurse an, oft mit Prüfung zum DAV-Kletterschein. Dort lernst du Seileinnahme, das Halten eines Sturzes und das Ablassen mit deinem Gerät.
- Das Bremshandprinzip verinnerlichen: Die Bremshand umschließt immer das Bremsseil, auch beim Grigri.
- Vor jedem Start den Partnercheck machen: Die DAV-Kletterregeln nennen ihn als erste Regel. Ihr kontrolliert euch gegenseitig mit Augen und Händen: Anseilknoten und Anseilpunkt, geschlossener Sicherungskarabiner, richtig eingelegtes Sicherungsgerät, Gurtverschlüsse und abgeknotetes Seilende.
Dazu gehört ein gut sitzender Gurt. Worauf du dabei achtest, steht im Ratgeber Klettergurt kaufen.
FAQ
Gibt es ein Sicherungsgerät „Rifle“ von Petzl?
Nein. Im aktuellen Petzl-Sortiment gibt es kein Gerät mit diesem Namen. Petzl bietet GRIGRI, GRIGRI+ und NEOX mit Klemmmechanik sowie die dynamischen Geräte REVERSO und VERSO an.
Brauche ich als Anfänger ein Grigri?
Nicht unbedingt. Der DAV empfiehlt für Halle und Klettergarten einen Halbautomaten. Ein Autotube wie der Edelrid Jul² zählt ebenso dazu wie das Grigri. Entscheidend ist, dass du das Gerät in einem Kurs sicher bedienen lernst.
Ist der Edelrid Jul² ein normaler Tube?
Nein. Der Jul² ist ein Autotube mit Bremsunterstützung, zertifiziert nach EN 15151-2 und für Einfachseile von 8,9 bis 11,0 mm zugelassen. Seine Blockierwirkung setzt voraus, dass du die Bremshand richtig führst.
Sollte ich zuerst mit einem Tube sichern lernen?
Für die Halle rät der DAV zu Halbautomaten, weil sie Fehler besser abfangen, besonders bei Kletterneulingen. Den Tube lernst du später für Mehrseillängen, am besten in einem eigenen Kurs.
Welches Seil passt zu welchem Gerät?
Das steht im Datenblatt des Geräts. Der Jul² ist für 8,9 bis 11,0 mm zugelassen, das Grigri für 8,5 bis 11 mm. Liegt dein Seil außerhalb dieses Bereichs, nimm ein anderes Gerät.
Fazit
Die Wahl „Grigri oder Rifle“ gibt es so nicht. Für Einsteiger in der Halle zählt: Halbautomat statt einfachem Tube, wie es der DAV empfiehlt. Mit kleinem Budget greifst du zum Autotube Edelrid Jul², für mehr Komfort beim Toprope und Projektieren zum Petzl Grigri. Noch wichtiger als das Gerät sind ein Sicherungskurs, das Bremshandprinzip und der Partnercheck vor jedem Start.
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