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Klettergurt kaufen: Worauf achten?

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Kletterer im Klettergurt mit Chalkbag an einer rötlichen Felswand
Foto: omid armin auf Unsplash

Kurz gesagt: Entscheidend ist die Passform. Der Hüftgurt muss über den Beckenknochen sitzen, und zwischen Beinschlaufe und Oberschenkel sollte etwa eine Hand passen. Für Einsteiger empfehlen wir einen Sitzgurt nach EN 12277 Typ C mit verstellbaren Beinschlaufen und vier Materialschlaufen, zum Beispiel den Petzl Corax. Probiere den Gurt vor dem Kauf an und häng dich, wenn möglich, im Laden einmal hinein.

Welche Gurtart brauchst du?

Die Norm EN 12277 unterscheidet vier Typen. Laut der Edelrid-Übersicht zur EN 12277 sind das:

  • Typ A, Komplettgurt: umschließt Oberkörper und Oberschenkel.
  • Typ B, Kinderkomplettgurt: wie Typ A, für Personen bis 40 kg.
  • Typ C, Sitzgurt: Hüftgurt mit Beinschlaufen. Das ist der Standard für Halle und Fels.
  • Typ D, Brustgurt: nur in Verbindung mit einem Sitzgurt zulässig, nie allein.

Für Erwachsene in der Halle und im Klettergarten ist der Sitzgurt (Typ C) die richtige Wahl. Ein Brustgurt zusätzlich ist sinnvoll, wenn die Gefahr besteht, dass der Oberkörper kippt, etwa bei Kindern oder mit schwerem Rucksack. Für kleine Kinder gibt es Komplettgurte nach Typ B.

Worauf kommt es beim Kauf an?

Passform: der wichtigste Punkt

Der DAV schreibt in seinen Tipps zur Hallenausrüstung: „Das Wichtigste beim Kauf eines Gurts ist die Passform.“ So prüfst du sie:

  1. Hüftgurt: Er sitzt eng über den Beckenknochen und lässt sich nicht über das Becken nach unten ziehen. Die Schnalle sollte im mittleren Verstellbereich liegen, damit du im Winter mit dickerer Kleidung noch Spielraum hast.
  2. Beinschlaufen: Laut DAV sollte zwischen Beinschlaufe und Oberschenkel „noch eine Hand passen, nicht viel mehr, aber auch nicht weniger“.
  3. Probehängen: Viele Fachgeschäfte haben eine Hängevorrichtung. Häng dich ein paar Minuten hinein. Drückt etwas, oder kippst du nach hinten, passt das Modell nicht zu deinem Körperbau.
  4. Größentabelle: Jeder Hersteller misst anders. Vergleiche Hüft- und Oberschenkelumfang mit der Tabelle des jeweiligen Modells.

Verstellbare oder feste Beinschlaufen?

Verstellbare Beinschlaufen passen sich an Kleidung und Körperform an. Für Einsteiger sind sie die sichere Wahl, vor allem wenn du drinnen und draußen kletterst. Feste, elastische Beinschlaufen sparen Gewicht. Sie passen aber nur, wenn deine Oberschenkel genau in den Größenbereich fallen.

Materialschlaufen und Anseilpunkte

Vier Materialschlaufen sind Standard und reichen für Halle und Sportklettern. Wichtig zu wissen: Materialschlaufen sind nicht zum Sichern oder Einbinden da. Eingebunden wird durch die beiden Einbindeschlaufen an Hüftgurt und Beinschlaufen, gesichert über den Sicherungsring. Lass dir das im Kurs zeigen.

Schnallen

Viele aktuelle Gurte haben Schnallen, die nach dem Festziehen geschlossen bleiben. Ältere oder spezielle Modelle müssen eventuell zurückgefädelt werden. Wie deine Schnallen richtig geschlossen werden, steht in der Gebrauchsanleitung. Die Gurtverschlüsse sind außerdem Teil des Partnerchecks vor jedem Start.

Damen- oder Herrengurt?

Damenmodelle haben meist ein anderes Verhältnis von Hüft- zu Beinumfang und einen anders geschnittenen Hüftgurt. Das Etikett ist aber zweitrangig. Nimm den Gurt, der beim Probehängen besser sitzt.

Drei Modelle im Vergleich

Modell Typ Gewicht (Hersteller) Beinschlaufen Materialschlaufen Preis ca. Gut für
Petzl Corax Sitzgurt, EN 12277 Typ C 470 g (Gr. 1), 520 g (Gr. 2) verstellbar 4 + Zubehörschlaufe um die 65 € Einsteiger, Halle, Fels, Klettersteig
Black Diamond Momentum Sitzgurt 350 g verstellbar (Schiebeversteller) 4 um die 55 € Einsteiger mit kleinem Budget
Edelrid Prisma Sitzgurt, EN 12277 Typ C, UIAA 105 sehr leicht (laut Edelrid) keine Herstellerangabe 4 65–75 € ambitioniertes Sportklettern

Die Preise stammen aus aktuellen Händlerangeboten und schwanken.

Petzl Corax: Laut Petzl ein vielseitiger Gurt für Halle, Fels, Mehrseillängen und Klettersteig. Er hat verstellbare Beinschlaufen, zwei feste vordere und zwei flexible hintere Materialschlaufen. Es gibt ihn in zwei Größen (Hüfte 65–96 cm und 76–107 cm). Für Einsteiger ist er unsere Empfehlung, weil er sich gut anpassen lässt und auch später beim Felsklettern passt.

Black Diamond Momentum: Ein einfacher Allround-Sitzgurt mit 350 g. Die Beinschlaufen stellst du mit einem Schiebeversteller ein. Er ist die günstigere Alternative zum Corax.

Edelrid Prisma: Ein sehr leichter Sportklettergurt mit Materialschlaufen aus Dyneema und einem roten Verschleißindikator im Gurtband. Er ist eher etwas für Fortgeschrittene, denen Gewicht wichtiger ist als Polsterung. Mehr zu dieser Klasse liest du in unserer Kategorie Klettergurte.

Wie lange hält ein Klettergurt?

Gurte sind textile Schutzausrüstung und altern auch ungenutzt. Petzl gibt für textile Produkte eine maximale Lebensdauer von zehn Jahren ab Herstellungsdatum an, nicht ab Kaufdatum. Bei häufiger Nutzung kann sie deutlich kürzer sein. Sortiere den Gurt sofort aus, wenn

  • das Gurtband an Einbindeschlaufen oder Sicherungsring aufgeraut, angeschmolzen oder eingeschnitten ist,
  • ein Verschleißindikator sichtbar wird,
  • er mit Chemikalien wie Batteriesäure in Kontakt gekommen ist,
  • du seine Vorgeschichte nicht kennst, zum Beispiel bei einem gebrauchten Gurt.

Kauf deinen ersten Gurt deshalb neu und nicht gebraucht.

Was gehört sonst zur Ausrüstung?

Zum Gurt kommen Sicherungsgerät, Verschlusskarabiner und Kletterschuhe. Welches Sicherungsgerät für Einsteiger sinnvoll ist, erklären wir im Ratgeber Sicherungsgerät für Anfänger. Die komplette Liste findest du in Kletterausrüstung für Anfänger. Wenn du noch unsicher bist, ob du überhaupt mit Seil klettern willst, hilft der Vergleich Kletterhalle vs. Boulderhalle. In vielen Hallen kannst du dir Gurte auch erst einmal leihen.

FAQ

Welche Norm muss ein Klettergurt erfüllen?

Ein Klettergurt muss nach EN 12277 zertifiziert sein, Sitzgurte nach Typ C. Viele Modelle sind zusätzlich nach UIAA 105 geprüft. Die Kennzeichnung steht auf dem Etikett im Gurt.

Wie eng muss ein Klettergurt sitzen?

Der Hüftgurt sitzt fest über den Beckenknochen und lässt sich nicht nach unten ziehen. Zwischen Beinschlaufe und Oberschenkel sollte laut DAV etwa eine Hand passen. Prüfe den Sitz am besten hängend.

Wie lange hält ein Klettergurt?

Petzl gibt für textile Produkte maximal zehn Jahre ab Herstellungsdatum an. Bei Beschädigungen, sichtbarem Verschleiß, Kontakt mit Chemikalien oder unbekannter Vorgeschichte musst du ihn sofort aussortieren.

Brauche ich einen Damengurt?

Nicht zwingend. Damenmodelle sind an andere Proportionen von Hüfte und Beinen angepasst, und viele Frauen kommen damit besser zurecht. Entscheidend ist, welcher Gurt beim Anprobieren und beim Probehängen besser sitzt.

Kann ich einen gebrauchten Klettergurt kaufen?

Davon raten wir ab. Bei einem gebrauchten Gurt kennst du weder Alter noch Vorgeschichte, also weder Stürze noch Chemikalienkontakt. Gerade diese Punkte entscheiden aber, ob der Gurt noch sicher ist.

Fazit

Ein gut sitzender Sitzgurt nach EN 12277 Typ C mit verstellbaren Beinschlaufen und vier Materialschlaufen ist die beste Wahl für den Einstieg. Probier mehrere Modelle an, häng dich probeweise hinein und vergleiche die Größentabellen. Unsere Empfehlung für Einsteiger ist der Petzl Corax, für kleines Budget der Black Diamond Momentum. Die richtige Anwendung, also Einbinden und Partnercheck, lernst du in einem Kletterkurs in deiner Kletterhalle.

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